Wie Lale ihre traumatische Kindheit in einer Berliner Kommune überlebte
Leni SchröderWie Lale ihre traumatische Kindheit in einer Berliner Kommune überlebte
Ein neues Buch enthüllt die erschütternde Kindheit von Lale, einem Mädchen, das in den chaotischen 1980er Jahren in einer Berliner Kommune aufwuchs. Mit nur achtzehn Monaten in staatliche Obhut genommen, waren ihre frühen Jahre von Vernachlässigung, Misshandlung und dem Kontakt mit Drogen geprägt. Die Geschichte, nun erzählt in Mit beiden Händen den Himmel stützen, wirft ein Licht auf ein Leben zwischen extremer Entbehrung und ungebrochener Widerstandskraft.
Die Autorin, Lilli Tollkien, schöpft direkt aus ihren eigenen Erlebnissen als Lale. 1980 geboren, bildete sie sich später in Regie, Musiktherapie und Suchtberatung weiter – Berufe, die ihren Weg von Trauma zu Engagement widerspiegeln.
Lales Eltern waren nicht in der Lage, ein stabiles Zuhause zu bieten. Ihre Mutter kämpfte mit Heroinabhängigkeit, während ihr Vater, ein Kleinkrimineller mit Verbindungen zur linksradikalen APO, ins Gefängnis kam, als sie noch ein Kleinkind war. Mit achtzehn Monaten schluckte sie unbewacht liegende Rohypnol-Tabletten, während ihre Mutter bewusstlos war. Die Behörden griffen ein und brachten sie in staatliche Obhut.
Ihr Vater zog später in eine Berliner Männer-WG, wo Lale aufwuchs. Der Haushalt war geprägt von revolutionärem Pathos, doch der Alltag drehte sich um exzessiven Alkoholkonsum, Drogen und endlose Partys. Frauen kamen und gingen, doch Lale blieb – ständig Gefahren und giftigen Substanzen ausgesetzt. Ein Mitbewohner missbrauchte sie sexuell, doch ihr Vater nahm die Risiken in ihrer Umgebung nicht wahr.
Die Schule wurde zu Lales einzigem Fluchtort. Akademisch blühte sie auf, bis die Pubertät ihr Leben aus den Fugen geraten ließ. Sucht und instabile Beziehungen verdrängten ihre früheren Erfolge und spiegelten die Zerrissenheit ihrer Erziehung wider.
Tollkiens Debütroman Mit beiden Händen den Himmel stützen erscheint am 11. März 2026 im Aufbau Verlag. Das Buch verbindet schonungslose Autobiografie mit literarischem Handwerk. Tollkiens Werdegang – von der Gefängnisberatung über Bühnenbild bis zur Fotografie – verleiht einer Erzählung Tiefe, die ohnehin schon von Dringlichkeit und kompromissloser Ehrlichkeit geprägt ist.
Das Buch dokumentiert eine Kindheit, die vom Versagen des Systems und persönlichem Durchhaltevermögen geprägt war. Lales Geschichte führt vom Chaos der Kommune zu ihrer späteren Arbeit in der Suchthilfe und der Kunst. Tollkiens Schilderung stellt sicher, dass ihre Erlebnisse weder in Vergessenheit geraten noch verklärt werden, sondern als Zeugnis des Überlebens gegen alle Widerstände bestehen.






