Gorlebens "Kartoffelscheune": Warum Deutschlands Atommüll-Lager zum Sicherheitsrisiko wird
Emilia NeumannGorlebens "Kartoffelscheune": Warum Deutschlands Atommüll-Lager zum Sicherheitsrisiko wird
Deutschlands Suche nach einem dauerhaften tiefengeologischen Endlager für hochradioaktive Abfälle zieht sich weit länger hin als geplant. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass das Verfahren noch mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird – mit einem Betriebsbeginn frühestens im nächsten Jahrhundert.
Im Mittelpunkt der Debatte steht weiterhin die Anlage Gorleben, die zwischen 1982 und 1983 errichtet wurde. Ihre oberirdische Lagerhalle verfügt lediglich über 50 Zentimeter dicke Wände und eine Dachplatte von nur 20 Zentimetern Stärke, was sie deutlich weniger widerstandsfähig macht als modernere Zwischenlager. Lokale Anti-Atomkraft-Aktivisten spotten und bezeichnen das Gebäude spöttisch als „Kartoffelscheune“ – mit der Begründung, es halte weder Flugzeugabstürzen, Drohnenangriffen noch Beschuss mit schweren Waffen stand.
2024 begann die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), die für die Verwaltung des atomaren Erbes zuständig ist, mit dem Bau einer zehn Meter hohen Schutzwand um Gorleben. Zudem verhängten die Behörden eine Flugverbotszone über dem Gelände, die sowohl bemannte Luftfahrzeuge als auch private Drohnen ausschließt. Die erste Genehmigung für das Zwischenlager Gorleben läuft 2034 aus.
Die BGZ kündigte an, eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung um 20 Jahre zu beantragen. Kritiker werfen der Behörde jedoch vor, mit dieser kurzfristigen Lösung die strukturellen Schwächen der Anlage zu ignorieren und keine langfristige Sicherheit zu gewährleisten. Einige Fachleute schlagen vor, die bestehende Halle abzureißen und durch einen modernen, zweckgebauten Neubau zu ersetzen.
Die Diskussion über die Zukunft Gorlebens dauert an, während die Anlage zunehmend unter Druck gerät. Die von der BGZ vorgeschlagene Verlängerung bringt zwar vorläufige Entlastung, löst aber die grundsätzlichen Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Langzeitstabilität nicht. Der auslaufende Genehmigungszeitraum bis 2034 unterstreicht die Dringlichkeit, eine nachhaltige Lösung zu finden.
