ARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows – Studie enthüllt dramatischen Rückgang
Emilia NeumannARD und ZDF vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows – Studie enthüllt dramatischen Rückgang
Öffentlich-rechtliche Sender ARD und ZDF werden vorgeworfen, wirtschaftliche Themen in ihren Talkshows zu vernachlässigen. Eine neue Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeigt, dass sich 2025 nur ein Bruchteil der Folgen mit Wirtschaftspolitik beschäftigte. Kritiker bemängeln, dass diese Vernachlässigung zu einem Zeitpunkt erfolgt, in dem Deutschland die längste Wirtschaftsschwäche seit Jahren durchlebt.
Die INSM analysierte 284 Folgen beliebter Talkshows, darunter Markus Lanz, Caren Miosga, Maybrit Illner, hart aber fair und Maischberger. Das Ergebnis: Nur 56 Folgen – also 19,7 Prozent – behandelten wirtschaftliche Themen, ein Rückgang gegenüber 33 Prozent im Jahr 2023. Besonders schlecht schnitt Maischberger ab: In 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Folgen kamen keine Vertreter aus der Wirtschaft zu Wort.
In 32 Prozent der Folgen, die wirtschaftliche Themen aufgriffen, war kein Unternehmer oder Wirtschaftsvertreter zu Gast. Die Gästelisten waren deutlich einseitig: 41 Prozent entfielen auf Politiker, 27 Prozent auf Journalisten und 14 Prozent auf Ökonomen. Unternehmer waren mit 5 Prozent vertreten, Vertreter von Wirtschaftsverbänden sogar nur mit 2 Prozent.
Eine Ausnahme bildete hart aber fair: Die Sendung widmete 39 Prozent ihrer Folgen wirtschaftlichen Themen und lud in jeder dieser Ausgaben einen Wirtschaftsvertreter ein. Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der INSM, kritisierte die Sender für diese Schieflage und forderte eine stärkere Einbindung von Unternehmensvertretern. Ohne ihre Perspektive fehle es an ausgewogener Berichterstattung – und damit an einer wirksamen Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen Herausforderungen Deutschlands.
Die Studie belegt einen deutlichen Rückgang der Wirtschaftsberichterstattung in den großen Talkformaten. Angesichts sinkender Debatten über Wirtschaftspolitik und geringer Beteiligung von Unternehmensvertretern wirft die INSM den Sendern vor, ihrem öffentlichen Auftrag nicht gerecht zu werden. Alslebens Forderung nach Reformen deutet darauf hin, dass der Druck auf eine ausgewogenere Programmgestaltung in Zukunft steigen könnte.






