08 June 2026, 14:16

Zuckerstreit im Ernährungsministerium: Wie real ist die angebliche Reduktion in Limonaden?

Wie das Landwirtschaftsministerium Schön die Zuckerfortschritte Berechnet Hat

Zuckerstreit im Ernährungsministerium: Wie real ist die angebliche Reduktion in Limonaden?

Bundeslandwirtschaftsministerium unter Beschuss: Zuckerrückgang in Erfrischungsgetränken weniger deutlich als behauptet

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gab kürzlich einen Rückgang des Zuckergehaltes in Erfrischungsgetränken um 15 Prozent zwischen 2018 und 2024 bekannt. Doch interne Berichte und unabhängige Studien zeichnen ein anderes Bild. Kritiker werfen dem Ministerium vor, zentrale Details und methodische Mängel in den zugrundeliegenden Daten zu ignorieren.

In seiner Pressemitteilung betonte das Ministerium zwar eine Reduktion um 15 Prozent – doch dieser Wert bezog sich lediglich auf den gewichteten Durchschnitt marktrelevanter Getränke, nicht auf das gesamte untersuchte Sortiment. Das Max Rubner-Institut, eine staatliche Forschungseinrichtung, fand im selben Zeitraum keine nennenswerte Veränderung des Zuckergehaltes in gezuckerten Erfrischungsgetränken. Selbst die eigenen Daten des Ministeriums zeigten nur einen Rückgang um 9,1 Prozent, wenn alle Getränke berücksichtigt wurden.

Nicht erwähnt wurde zudem, dass die 15-Prozent-Angabe mit erheblichen Unsicherheiten behaftet ist. Forscher wiesen auf Probleme mit der Stichprobengröße aus dem Jahr 2018 hin, die kleiner ausfiel als in den Folgejahren. Gleichzeitig blieb der Zuckergehalt in allen untersuchten Erfrischungsgetränken seit 2022 stabil. Besonders alarmierend: In Standard-Limonaden mit kindgerechter Verpackung stieg der Zuckeranteil zwischen 2019 und 2024 sogar um 23 Prozent.

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Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch warf dem Ministerium vor, minimale Fortschritte aufzublasen, um schärfere Regulierungen zu umgehen. Das Ministerium verteidigte seine Position und beharrte darauf, dass die 15-Prozent-Reduktion 80 Prozent des Marktes abdecke. Trotz der Kontroverse treibt die Regierung die Einführung einer Zuckersteuer ab 2028 voran.

Die geplante Abgabe sieht vor, dass Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter befreit bleiben. Bei einem Gehalt von fünf bis acht Gramm soll ein Aufschlag von 26 Cent pro Liter fällig werden, stark gezuckerte Produkte mit höherem Zuckeranteil werden mit 32 Cent pro Liter belastet. Die Behörde rechnet mit jährlichen Mehreinnahmen von rund 450 Millionen Euro.

Der Streit um die Zuckerreduktionszahlen kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland die Einführung der Zuckersteuer 2028 vorbereitet. Während das Ministerium darauf besteht, dass seine Daten die Mehrheit des Marktes widerspiegeln, deuten unabhängige Erkenntnisse auf kaum spürbare Veränderungen im Zuckergehalts hin. Die neue Steuer wird Getränke künftig nach ihrem Zuckergehalt staffeln – mit höheren Abgaben für die süßesten Produkte.

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