Zoff um Naturcamping Lüneburger Heide: Gewerbezone oder Lebensraum für Camper?
Leni SchröderZoff um Naturcamping Lüneburger Heide: Gewerbezone oder Lebensraum für Camper?
Heftige Debatte um Zukunft des Campingplatzes Naturcamping Lüneburger Heide
Bei der Sitzung des Bauausschusses in Soltau am Dienstagabend entbrannte eine hitzige Diskussion über die Zukunft des Campingplatzes Naturcamping Lüneburger Heide. Extra Stühle mussten herbeigeschafft werden, um die zahlreiche Besucherschar unterzubringen, während Anwohner und Vertreter der Stadtverwaltung über Pläne stritten, das Gelände für gewerbliche Nutzung umzuwidmen. Der Campingplatz liegt auf einem 100 Hektar großen Areal, das für eine neue Gewerbezone in der Nähe der Autobahn A7 vorgesehen ist.
Im Mittelpunkt der Debatte stand die erste Verlängerung eines Bebauungsmoratoriums für das Gebiet, zu dem auch der ehemalige Scandinavia-Campingplatz gehört. Während sich Stadtverwaltung und politische Fraktionen uneinig zeigten, äußerten Camper ihre Frustration über die langfristige Bedrohung ihrer Lebensgrundlage.
Der Geschäftsführer des Campingplatzes, Torben Kostiuk, bestätigte, dass der Betrieb unter den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen wie gewohnt weiterläuft. Seit über vier Jahren leitet er den Platz und betonte, dass das Bebauungsmoratorium nichts an dessen rechtlichem Status ändere. Gleichzeitig beschrieben Anwohner eine lebendige Gemeinschaft, in der immer mehr Mobilheime hinzukämen und die Geschäfte florierten. Dennoch zeigten sie sich verärgert über die Absicht der Stadt, den Platz langfristig zu schließen, um Platz für Industrieansiedlungen zu schaffen.
Bürgermeister Karsten Brockmann lenkte die Aufmerksamkeit auf ein weiteres drängendes Problem: den akuten Bedarf an Wohnraum. Er verwies auf die hohe Nachfrage nach Baugrundstücken entlang der Tetendorfer Straße und argumentierte, dass der Wohnungsbau Vorrang haben müsse. Die SPD-Fraktion unterstützte die Haltung der Verwaltung und bestand darauf, dass Flächen für die künftige industrielle Entwicklung Soltaus reserviert bleiben müssten.
Uneinigkeit herrschte darüber, wie lange das Bebauungsmoratorium gelten soll. Die CDU plädierte für eine Verlängerung um maximal ein weiteres Jahr, während die Verwaltung eine längere Frist anstrebt. Die Unsicherheit hält Unternehmen und Anwohner in der Schwebe – darunter auch große Firmen wie Deichmann, die trotz früherer Berichte über nachlassendes Interesse noch immer über ein Logistikzentrum im nahegelegenen Gebiet Soltau Ost III nachdenkt.
Die Sitzung endete ohne endgültige Entscheidung über das Moratorium, sodass die Zukunft des Campingplatzes weiter ungewiss bleibt. Die Anwohner können vorerst weiterhin auf dem Gelände leben und arbeiten, doch die langfristigen Pläne der Stadt bleiben ein Zankapfel. Die nächsten Schritte hängen von weiteren Verhandlungen zwischen den politischen Fraktionen und der Verwaltung ab.