Wirtschaftsexperte Truger warnt vor Inflationsspirale durch Golfkonflikt und fordert EU-Hilfen
Emilia NeumannWirtschaftsexperte Truger warnt vor Inflationsspirale durch Golfkonflikt und fordert EU-Hilfen
Deutschlands führender Wirtschaftsexperte Achim Truger warnt vor globaler Krise durch Preisanstieg im Golfkonflikt
In einem aktuellen Beitrag für das Magazin Surplus skizziert Achim Truger, einer der einflussreichsten Wirtschaftsberater Deutschlands, dringende Maßnahmen, um eine durch den Golfkonflikt ausgelöste Inflationsspirale zu verhindern.
Zu den Vorschlägen gehören die vorübergehende Aussetzung strenger Schuldenregeln sowie die Einführung von Preisobergrenzen für Grundgüter, um Haushalte und Unternehmen vor drastischen Kostensteigerungen zu schützen. Truger fordert eine abgestimmte makroökonomische Reaktion auf den drohenden Preisschock. Die Finanzpolitik müsse bereit sein, die Notfallklausel der Schuldenbremse zu aktivieren, um gezielte Hilfen zu ermöglichen – ohne die langfristige Staatsverschuldung zu verschärfen.
Zur unmittelbaren Entlastung schlägt er einen einmaligen Inflationsausgleichsbonus vor, der steuer- und sozialabgabenfrei ausgezahlt werden soll. Diese Sonderzahlung solle Arbeitgeber motivieren, ihre Beschäftigten bei der Bewältigung steigender Lebenshaltungskosten zu unterstützen. Zudem plädiert Truger für die Wiedereinführung von Preisbremsen bei Gas, Öl und Strom – ähnlich den Modellen, die bereits in früheren Energiekrisen Anwendung fanden.
Doch nationale Maßnahmen reichen Truger zufolge nicht aus: Er betont die Notwendigkeit einer EU-weiten Unterstützung. So schlägt er vor, Mechanismen zu schaffen, die finanziell schwächere Mitgliedstaaten entlasten – angelehnt an frühere Instrumente wie NextGenerationEU. Dieser 750-Milliarden-Euro-Fonds hatte während der Pandemie unter anderem Deutschland mit 30,3 Milliarden Euro an Zuschüssen versorgt, um wirtschaftliche Schäden zu beheben und die Erholung zu beschleunigen. Weitere Mittel wie die 8,1 Milliarden Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums halfen ländlichen Regionen, die Krise zu überstehen.
Ohne Gegenmaßnahmen, warnt Truger, drohe eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale. Er ruft Regierungen und Sozialpartner dazu auf, gemeinsam zu handeln, um zu verhindern, dass kurzfristige Preisschübe langfristige wirtschaftliche Schäden anrichten. Ein gut konzipiertes Maßnahmenpaket könnte zudem den Druck auf die Europäische Zentralbank verringern, die Zinsen unnötig anzuheben.
Frühere EU-Kriseninstrumente wie die Aufbau- und Resilienzfazilität hätten bereits gezeigt, wie gemeinsame Finanzhilfen Volkswirtschaften stabilisieren können. Trugers Plan baut auf diesem Ansatz auf – mit dem Ziel, eine Wiederholung der Finanzkrise 2008 oder der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu vermeiden.
Sein Konzept vereint kurzfristige Entlastung mit langfristiger Stabilität: Durch die Kombination von Preiskontrollen, Direktzahlungen und EU-gestützter Finanzhilfe soll die Wirkung steigender Kosten abgemildert werden. Werden die Vorschläge umgesetzt, könnten sie eine tiefere Rezession abwenden – bei gleichzeitig kontrollierter Staatsverschuldung.






