Stadtwerke-Chef Hermes tritt nach Immobilienskandal in Bonn zurück
Emilia NeumannStadtwerke-Chef Hermes tritt nach Immobilienskandal in Bonn zurück
Olaf Hermes, der Chef der Bonner Stadtwerke, hat seinen Rücktritt bekanntgegeben – mitten in einem anhaltenden Immobilienskandal in Bonn. Sein Abschied erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen große Investitionen plant, gleichzeitig aber auch Sparmaßnahmen im lokalen Nahverkehr umsetzen muss. Hermes, der den Versorger seit 2022 leitet, erklärte, er werde bis zum Sommer zurücktreten und schloss eine Rücknahme seiner Entscheidung aus.
Im Mittelpunkt des Skandals steht der Verkauf eines 36 Hektar großen Geländes auf dem Flugplatz Hangelar im Jahr 2023 für 8,3 Millionen Euro. Hermes hatte das Problem bereits im Dezember aufgedeckt und enthüllt, dass lokale Politiker den kommunalen Versorger unter Druck gesetzt hatten, das Grundstücksgeschäft platzen zu lassen. Zu den Beschuldigten zählt auch der CDU-Politiker Daniel Frahm.
Im Februar 2025 durchsuchten Ermittler die Wohnungen und Büros mehrerer mit dem Fall in Verbindung stehender Personen und beschlagnahmten Dokumente sowie elektronische Daten. Die Bonner Staatsanwaltschaft leitete im März 2026 Ermittlungsverfahren ein, mit dem Verdacht auf Bestechung, Korruption und Untreue.
Eine vertrauliche juristische Prüfung kam später zu dem Schluss, dass die mutmaßliche Einmischung in das Geschäft möglicherweise "nicht frei von externen Einflüssen und Interessenkonflikten" gewesen sei. Die Bonner Stadtwerke wollen diesen Bericht nun an die Staatsanwaltschaft weiterleiten. Trotz der Kontroverse bekräftigte der Aufsichtsrat des Unternehmens sein Vertrauen in Hermes und den Vorstand für die weitere Zusammenarbeit.
Hermes' Rücktritt folgt auf Monate der öffentlichen Kritik wegen des Grundstücksdeals am Flughafen Hangelar. Während die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen fortsetzt, steht das Unternehmen vor der Herausforderung, große Investitionen mit finanziellen Zwängen in Einklang zu bringen. Die nächsten Schritte der Stadtwerke hängen von den Ergebnissen der rechtlichen Prüfung und der laufenden Ermittlungen ab.