SPD und Union ringen um radikale Reformen der Gesundheitsfinanzierung nach der Wahl 2025

Emma Becker
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Alte Zeitungsannonce für die Pension 'Im Goldenen Hirschen' in Dresden, Deutschland, mit schwarzem Text auf weißem Hintergrund.Emma Becker

SPD und Union ringen um radikale Reformen der Gesundheitsfinanzierung nach der Wahl 2025

Seit Ende 2023 dominieren Debatten über die Finanzierung der Gesundheitsversorgung und der Pflege die deutsche Politik. Das Thema gewann während der Koalitionskrise 2024 und im Vorfeld der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 an Brisanz. Nun liegen sich SPD und CDU/CSU mit gegensätzlichen Reformplänen in den Haaren – beide Seiten schlagen radikal unterschiedliche Lösungsansätze vor.

Die SPD strebt einen grundlegenden Umbau der Finanzierung von Kranken- und Pflegeversicherung an. Ihr Vorschlag sieht vor, alle Einkommensarten – etwa Mieteinnahmen und Kapitalerträge – in das System einzubeziehen. Zudem will die Partei die gesetzliche Rentenversicherungspflicht auf Beamte, Selbstständige und gewählte Amtsträger ausweiten, die bisher eigene Versorgungssysteme nutzen. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf verteidigte die Pläne und rief zu offenen Gesprächen mit der Union auf.

Die konservative Fraktion lehnte den SPD-Kurs kategorisch ab. Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU, Simone Borchardt, bezeichnete ihn als "Bremse für notwendige Reformen", während die Unionsfraktion die Ideen als "katastrophales Signal" zurückwies. Stattdessen hatte die Union in den Verhandlungen 2024 auf einen einheitlichen Krankenkassenbeitrag von 15 Prozent und eine Deckelung der Pflege-Zusatzbeiträge bei 3,6 Prozent gedrängt.

Auch Verbände meldeten sich zu Wort. Ulrike Elsner, Chefin des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), warnte, dass die Besteuerung von Miet- und Kapitaleinkünften vor allem die mittlere Einkommensschicht belasten würde. Das eigentliche Problem liege im "Ausgaben-Dilemma" des Systems, so Elsner, die strukturelle Reformen forderte. Zudem müsse der Staat nicht versicherungsfremde Leistungen – etwa die Krankenversorgung von Sozialhilfeempfängern – übernehmen, was die gesetzlichen Kassen um bis zu 10 Milliarden Euro jährlich entlasten könnte.

Nach der Februar-Wahl 2025 einigten sich die Koalitionsparteien im Rahmen der Sondierungsgespräche auf einen Kompromiss: einen einheitlichen Krankenkassenbeitrag von 14 Prozent. Dem waren monatelange öffentliche Debatten vorausgegangen, darunter ein Interview von Friedrich Merz bei Maischberger im Oktober 2024 und eine Rede von Olaf Scholz vor dem Bundestag im Januar 2025.

Die finale Einigung sieht einen Beitragssatz von 14 Prozent vor und vereint damit Elemente beider Seiten. Dennoch bleiben die Fronten bei weiteren Reformvorhaben verhart – insbesondere bei der SPD-Forderung, alle Einkunftsarten einzubeziehen und die Rentenversicherungspflicht auszuweiten. Die Umsetzung der Beschlüsse steht nun an, doch weitere Streitigkeiten über Finanzierung und Gerechtigkeit sind absehbar.

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