Stinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Saublodere: Warum Faschingsblasen im Südwesten so laut knallen
Im schwäbisch-alemannischen Fasching sind mit Luft gefüllte Schweine- und Rinderblasen – bekannt als Saublodere – eine laute Tradition. Diese aufgeblasenen Blasen, die an Bullengenitalien oder Kuhschwänze gebunden werden, erzeugen beim Aufschlagen auf den Boden ein scharfes Knallen, das die Umstehenden erschreckt. Während die meisten Zünfte weiterhin auf Schweineblasen setzen, greifen einige mittlerweile zu Rinderblasen, die größer und haltbarer sind.
Die Saublodere-Tradition reicht in Städten wie Rottenburg in Baden-Württemberg seit Generationen zurück. Jedes Jahr sammeln Faschingszünfte Schweine- und Rinderblasen bei örtlichen Metzgern und bereiten sie in einem aufwendigen Verfahren vor: Zuerst werden die Blasen entleert, dann in Lake eingelegt, gewaschen und auf Mängel überprüft. Nur die robustesten Exemplare werden mit Druckluft aufgeblasen und an einen Hagenschwanz gebunden – entweder die Genitalien eines geschlachteten Stiers oder einen Kuhschwanz.
Während der Umzüge schwingen die Teilnehmer die Blasen und schlagen sie auf den Boden, wodurch ein ohrenbetäubendes Knallen entsteht. Der Lärm, kombiniert mit dem optischen Spektakel, ist längst so ikonisch wie Masken und Narrenkostüme. Doch die Blasen nutzen sich schnell ab und halten oft nur wenige Veranstaltungen durch, bevor sie ersetzt werden müssen.
In den letzten Jahren haben einige Zünfte stattdessen auf Rinderblasen umgestellt. Diese sind größer, widerstandsfähiger und halten länger als Schweineblasen. Allerdings gibt es keine offiziellen Aufzeichnungen darüber, wie viele Gruppen den Wechsel vollzogen haben. Die Praxis variiert in der Region, ohne dass sich bis 2026 in einem bestimmten Gebiet eine klare Präferenz abzeichnet.
Über den Lärm hinaus trägt die Schweine- und Rinderblase auch symbolische Bedeutung: Sie steht für Eitelkeit und Übermaß und unterstreicht damit die Faschingstradition, gesellschaftliche Schwächen zu verspotten. Ob von Schweinen oder Rindern – die Blasen bleiben ein lautes, unverwechselbares Element der Feierlichkeiten.
Die Saublodere-Tradition lebt weiter, wobei sowohl Schweine- als auch Rinderblasen eine Rolle in den Faschingsbräuchen spielen. Jährlich beschaffen, bereiten und nutzen die Zünfte sie, sodass die scharfen Knallgeräusche und die spielerische Symbolik im Mittelpunkt des Festes bleiben. Zwar bieten Rinderblasen praktische Vorteile, doch die Wahl zwischen beiden hängt weiterhin von lokalen Bräuchen und der Verfügbarkeit ab.