Saisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausgebeutet trotz Mindestlohn und Gesetzen
Mila VoigtSaisonarbeiter in der Landwirtschaft: Ausgebeutet trotz Mindestlohn und Gesetzen
Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft leiden weiterhin unter extremer Ausbeutung – trotz gesetzlicher Schutzmaßnahmen. Berichte zeigen überlange Arbeitszeiten, illegale Lohnabzüge und menschenunwürdige Wohnverhältnisse. Doch die Kontrollen bleiben lasch: 2024 sank die Zahl der Inspektionen auf einen Tiefstand.
Im Jahr 2023 waren rund 243.000 Saisonkräfte in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt, doch ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben unklar. Viele schuften bis zu 70 Stunden pro Woche und leben in beengten, überteuerten Unterkünften. In Hessen etwa wurde ein 15-Quadratmeter-Seecontainer für über 2.000 Euro monatlich vermietet.
Lohnbetrug ist weit verbreitet: Manche Arbeiter verlieren durch illegale Abzüge fast 1.000 Euro. Die Regierung verlängerte kürzlich die sozialabgabenfreien Kurzzeitverträge von 70 auf 90 Tage – und entzog den Beschäftigten damit weitere Rechte. Zwar sieht ein neuer Tarifvertrag für Festangestellte eine Lohnerhöhung von 10 Prozent über 33 Monate vor, doch ungelernte Saisonarbeiter profitieren davon nicht.
Der Deutsche Bauernverband fordert nun einen 20-prozentigen Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte. Einige Parteien unterstützen den Vorschlag mit dem Argument, er entlaste die Betriebe finanziell. Kritiker warnen jedoch, dies würde die Ausbeutung in einer Branche verschärfen, die ohnehin von systematischen Missständen geprägt ist.
Doch selbst der gesetzliche Mindestlohn bietet kaum Schutz, wenn die Einhaltung kaum überwacht wird. Bei historisch niedrigen Kontrollzahlen bleiben die Arbeiter schutzlos gegen Überstunden, Lohnraub und unsichere Unterkünfte. Ohne strengere Aufsicht wird sich ihre Lage kaum bessern.






