Radikale Freundlichkeit: Warum eine Österreicherin Wut durch Nettigkeit ersetzen will
Mila VoigtRadikale Freundlichkeit: Warum eine Österreicherin Wut durch Nettigkeit ersetzen will
Ein neuer Umgang mit alltäglichen Frustrationen wird von einer Autorin in Österreich vorgeschlagen. Ihr Ansatz besteht darin, Ärgernisse mit Freundlichkeit statt mit Wut zu begegnen. Dies kommt zu einer Zeit, in der die reiche Palette des Landes an Schimpfwörtern und Ausdrucksformen der Verärgerung besonders hervorgehoben wird.
Österreicher sind für ihre farbenfrohe Sprache bekannt, wenn sie genervt sind. Sie verfügen über mehr als 50 Wörter für „Idiot“, darunter Dodel, Wappler oder Vollkoffer. Fluchen gilt oft als eine Art emotionaler Befreiung – manche vergleichen es sogar mit Yoga. Langsame Autofahrer auf der Autobahn können seltsamerweise manche Einheimische eher beflügeln als in Rage versetzen.
Die Autorin von „Radikale Freundlichkeit“ schlägt nun eine andere Reaktion vor. Statt sich zu ärgern, will sie einem lauten Telefonierer im Zug etwa einen Hustenbonbon anbieten. Wer ihr den Parkplatz wegnimmt, soll dafür gedankt werden, dass er ihr damit zusätzliche Schritte für ihren Fitness-Tracker beschert. Eine überfüllte Schlange in der Bäckerei wird als kostenlose Akupressur-Massage gelobt. Selbst eigene Fehler sollen nicht mehr als Versagen, sondern als „kognitiver Minimalismus“ umgedeutet werden.
Der Titel des Buches, „Radikale Freundlichkeit“, könnte in Österreich auf Widerstand stoßen, wo scharfe Wortgefechte zum kulturellen Alltag gehören. Doch die Methoden der Autorin könnten die Art und Weise verändern, wie Menschen auf kleine, aber häufige Ärgernisse reagieren. Ob sich dieser Ansatz durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.






