Niedersachsens Ganztagsschul-Ausbau: Mehr Förderung, aber wachsende Kritik an Finanzierung und Mitsprache
Emma BeckerNiedersachsens Ganztagsschul-Ausbau: Mehr Förderung, aber wachsende Kritik an Finanzierung und Mitsprache
Niedersachsen erweitert sein Ganztagsschulprogramm, um die Schülerinnen und Schüler am Nachmittag besser zu fördern. Die Maßnahme soll Lücken bei den Hausaufgaben und außerschulischen Lernangeboten schließen, die manche Familien nicht ausgleichen können. Doch der Plan stößt auf Kritik – vor allem wegen der Finanzierung und der mangelhaften Einbindung von Beteiligten.
Im Schuljahr 2023/24 boten bereits 75 Prozent der allgemeinbildenden Schulen im Land eine Nachmittagsbetreuung an. Weitere 41 Schulen haben nun beantragt, ab dem nächsten Jahr in den Ganztagsbetrieb zu wechseln. Die Erweiterung wird gemeinsam von der Landesregierung und den Kommunen finanziert: Das Land übernimmt die laufenden Kosten, während die Städte und Gemeinden für die Infrastruktur zuständig sind.
Der neue Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung erhöht den Druck auf die Träger der Schulen. Um ein nachhaltiges Wachstum zu sichern, sollen die Mittel durch höhere Landeszuschüsse und öffentlich-private Partnerschaften umgeschichtet werden. Kritiker warnen jedoch, das System drohe zersplittert zu werden – ähnlich wie in anderen Bundesländern. Verbände bezeichnen die Anhörungsprozesse als "Beteiligungs-Theater" und werfen der Politik vor, ihre Vorschläge ignoriert zu haben. Zwar begrüßen sie den Ausbau der Ganztagsschulen grundsätzlich, doch die aktuelle Finanzierung reiche nicht aus, um qualitative Standards zu erfüllen. Einige fürchten zudem, der bildungspolitische Fokus verwässere und Schulen würden zunehmend zu reinen Betreuungseinrichtungen statt zu Lernorten.
Der Ausbau der Ganztagsschulen in Niedersachsen soll weiter voranschreiten, mit weiteren Einrichtungen, die im nächsten Jahr in das Programm aufgenommen werden. Dennoch bleiben Bedenken wegen finanzieller Engpässe und der Wirksamkeit der Beteiligungsverfahren. Die Kommunen stehen nun vor der Herausforderung, die gestiegene Nachfrage mit begrenzten Ressourcen in Einklang zu bringen.