New Yorks unsichtbarer Umzug: Wie ein Aprilscherz seit 38 Jahren die Medien narren lässt
Emma BeckerNew Yorks unsichtbarer Umzug: Wie ein Aprilscherz seit 38 Jahren die Medien narren lässt
Seit 1986 zieht jedes Jahr ein ungewöhnlicher Umzug durch die Fifth Avenue in New York – doch in Wahrheit gibt es ihn gar nicht. Joey Skaggs, ein bekannter Scherzkeks, organisiert die Veranstaltung als ausgeklügelten Aprilscherz. Mit der Aktion spielt er der Medienbereitschaft in die Hände, fast alles zu glauben – selbst wenn die Details zu skurril klingen, um wahr zu sein.
Die Tradition reicht Jahrzehnte zurück und wurde von klassischen Fälschungen inspiriert, wie etwa dem BBC-Panorama-Beitrag von 1957 über Spaghetti-Ernten in der Schweiz. Ein weiterer berühmter Streich gelang 1985, als Sports Illustrated eine Geschichte über Hayden "Sidd" Finch veröffentlichte, einen vielversprechenden Pitcher der Mets mit einem unmöglich schnellen Wurf. Später gab das Magazin zu, dass Finch frei erfunden war.
Skaggs' Umzug treibt das Konzept auf die Spitze. Frühere Themen waren unter anderem ein Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb und eine Y2K-Weltuntergangs-Party. Jedes Jahr kündigt eine gefälschte Pressemitteilung die Veranstaltung an – inklusive Route und Ehrengast. Manche Fernsehteams und Marschkapellen sind tatsächlich erschienen, nur um leere Straßen vorzufinden.
Die diesjährige Ankündigung forderte die Menschen auf, die Realität selbst infrage zu stellen. Der Umzug sollte von einem präsidialen Doppelgänger angeführt werden, der die Teilnehmer aufforderte, Autoritäten auszulachen. Skaggs bezeichnet seine Arbeit als Kunst und nutzt die Medien als "Leinwand", um auszuloten, was die Menschen als Wahrheit akzeptieren.
Im Laufe der Jahre haben sich auch andere Marken beteiligt. Burger King warb einst für den "Linkshänder-Whopper", während die Guardian die Inselnation San Serriffe erfand. Jeder Streich zeigt, wie leicht Vertrauen manipuliert werden kann.
Der eigentliche Zweck des Umzugs ist es, die Menschen daran zu erinnern, das, was ihnen erzählt wird, kritisch zu hinterfragen. Indem Skaggs Reporter und Zuschauer hereinlegt, macht er deutlich, wie schnell Fiktion zur vermeintlichen Tatsache werden kann. Der Scherz endet zwar am 1. April – doch die Lehre über Skepsis bleibt weit darüber hinaus bestehen.






