Milo Rau inszeniert fiktives Gerichtsverfahren gegen die AfD in Hamburg
Emma BeckerRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert fiktives Gerichtsverfahren gegen die AfD in Hamburg
Hamburger Lessing-Tage enden mit spektakulärem Theaterprojekt: 'Gerichtsverfahren gegen Deutschland' auf der Tagesschau
Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage schließen mit einem gewagten Bühnenereignis: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland. In diesem fiktiven Prozess wird eine brisante politische Frage verhandelt: Sollte die rechtsextreme AfD verboten werden?
Das 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründete Festival setzt sich seit Langem mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Die diesjährige Ausgabe, kuratiert von Matthias Lilienthal – der bald die Berliner Volksbühne leiten wird –, markiert Raus erste deutsche Umsetzung seines markanten "Prozess"-Formats.
Raus Arbeiten verbinden oft dokumentarischen Realismus mit provokativem Theater. Frühere Produktionen wie Hassrede (2018) inszenierten Neonazi-Prozesse neu, um Rassismus bloßzulegen, während Das Kongo-Tribunal (2015) neokoloniale Ausbeutung untersuchte. Sein Stück Brecht mein Leben & Werk (2020) nutzte Satire, um Autoritarismus und Kapitalismus zu kritisieren.
Anders als im klassischen Theater werden beim Gerichtsverfahren gegen Deutschland keine Schauspieler, sondern echte Juristen mitwirken. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt den Vorsitz als Richterin. Die Verhandlung erstreckt sich über drei Tage und wird live auf der Website des Thalia Theaters übertragen.
Das Projekt wirft einen theatralischen Blick auf das politische Klima in Deutschland. Zuschauer vor Ort in Hamburg und im Stream erleben eine Debatte mit realen Konsequenzen. Zwar ist das Urteil symbolisch – doch es könnte eine breitere Diskussion über Demokratie und Extremismus auf der Tagesschau anstoßen.
Jury Verurteilt AfD-Verbot und Social-Media-Einschränkungen
Die symbolische Jury in Milo Raus Gerichtsverfahren gegen Deutschland hat ihr Urteil gefällt und sich mit drei Schlüsselfragen beschäftigt: dem möglichen Verbot der AfD, ihrer angeblichen Gewaltverherrlichung und Social-Media-Einschränkungen für unter 16-Jährige. Hier sind die Ergebnisse:
- Eine knappe Mehrheit sprach sich für die Untersuchung eines AfD-Verbots aus, jedoch nicht für ein komplettes Verbot.
- Es kam zu keinem Konsens über die Einschränkung des Social-Media-Zugangs für unter 16-Jährige.






