06 February 2026, 02:24

Mercosur-Abkommen in der Schwebe: Warum Europas größte Freihandelszone jetzt wackelt

Eine Europakarte mit Ländern in verschiedenen Farben, die unterschiedliche Abkommen und Organisationen darstellen, begleitet von Text, der Länderamen und beteiligte Nationen nennt.

Mercosur-Abkommen in der Schwebe: Warum Europas größte Freihandelszone jetzt wackelt

EU-Handelsabkommen mit Mercosur stößt auf schwerwiegende Hürde

Nur wenige Tage nach der Unterzeichnung des Abkommens durch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat das Europäische Parlament eine rechtliche Prüfung gefordert. Diese Verzögerung könnte die Umsetzung um bis zu zwei Jahre hinauszögern – und lässt Unternehmen sowie Landwirte über die Zukunft im Unklaren.

Sollte das Abkommen schließlich in Kraft treten, entstünde die größte Freihandelszone der Welt gemessen an der Bevölkerung, die über 700 Millionen Menschen in Europa und Südamerika umfassen würde.

Offiziell unterzeichnet wurde die Vereinbarung am 17. Januar 2026 von von der Leyen. Doch bereits kurz darauf setzte eine knappe Mehrheit im Europäischen Parlament durch, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Rechtmäßigkeit des Deals prüfen soll. Dieser unerwartete Schritt hat den Prozess ausgebremst und frustriert Befürworter, die argumentieren, dass Europa damit an Glaubwürdigkeit in der globalen Handelspolitik verliere.

Besonders betroffen sind lokale Unternehmen in der Region Lüneburg-Wolfsburg, die enge wirtschaftliche Verbindungen zu den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay pflegen. Über 80 kleine und mittlere Betriebe in der Region sind auf den Handel mit diesen Ländern angewiesen – und sichern so Arbeitsplätze sowie stetige Einnahmen. Die Verzögerung gefährdet nun diese langjährigen Partnerschaften.

Auch deutsche Landwirte zeigen sich besorgt. Der Deutsche Bauernverband warnt, dass die verstärkte Konkurrenz durch Mercosur heimische Produzenten von Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol unter Druck setzen könnte. Hendrik Rump, Vorsitzender des örtlichen Landvolk-Verbands, kritisierte die Bundesregierung, sie setze einseitig auf Branchen wie die Automobilindustrie und vernachlässige die Landwirtschaft. Die vorgeschlagenen Bedingungen benachteiligten die Landwirte in Niedersachsen unfair, so Rump.

Kritiker der Verzögerung gehen noch weiter. Professor Heralt Schöne von der Hochschule Neubrandenburg warnt, dass eine Blockade solcher Abkommen Europas Einfluss schwächen könnte. Zögern könnte die Mercosur-Staaten dazu veranlassen, sich enger an konkurrierende Handelspartner wie China zu binden.

Die Reaktionen auf die Entscheidung fallen gemischt aus. Einige Abgeordnete bestehen darauf, dass die Prüfung notwendig sei, um Fairness zu gewährleisten. Andere argumentieren, sie sende ein negatives Signal und untergrabe das Vertrauen in Europa als verlässlichen Handelspartner. Die Verzögerung kommt zu einer angespannten Zeit: Am selben Tag kündigte US-Präsident Donald Trump neue Zölle an – was den Druck auf die globalen Handelsbeziehungen weiter erhöht.

Das Mercosur-Abkommen bleibt vorerst in der Schwebe, während der EuGH seine Prüfung durchführt. Bei einer Genehmigung würde es den Handel zwischen der EU und Südamerika grundlegend verändern. Bis dahin müssen Unternehmen in Lüneburg-Wolfsburg und Landwirte in ganz Deutschland abwarten – und mit Unsicherheit über Marktzugänge und Wettbewerb leben.

Die Pause wirft zudem grundsätzliche Fragen zur Rolle Europas im internationalen Handel auf. Angesichts konkurrierender Volkswirtschaften wie China, die bereitstehen, um die Lücke zu füllen, könnten die Folgen der Verzögerung langfristige Auswirkungen auf wirtschaftliche Partnerschaften und politischen Einfluss haben.