07 May 2026, 12:22

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR Erinnerung unterdrückte

Luftaufnahme des Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin, das zahlreiche weiße und blaue Betonsteine in einem Gittermuster zeigt.

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR Erinnerung unterdrückte

Ein neues Buch des Historikers Philipp Graf untersucht die vergessene jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR-Zeit. In „Verweigerte Erinnerung“ deckt er auf, wie der Staat trotz antifaschistischer Bekundungen versagte, den Antisemitismus zu bekämpfen. Die Studie beleuchtet zudem die einst blühende neo-orthodoxe Gemeinde der Stadt, die unter der NS-Herrschaft ausgelöscht wurde.

Das jüdische Leben in Halberstadt war bereits lange vor den Luftangriffen von 1945 zerstört. 1938 markierte die Sprengung der Synagoge den Beginn des Traumas. Bis Kriegsende war die Gemeinde – einst ein Zentrum des Neo-Orthodoxie – vernichtet. Nach 1945 wurden jüdische Betriebe von Nicht-Juden übernommen, und der letzte Überlebende wurde 1961 beigesetzt.

Ein 1949 errichtetes Mahnmal am ehemaligen Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge ehrte zunächst die Opfer von Zwangsarbeit. Doch 1969 wurde es zu einer Stätte politischer Gelöbnisse umgestaltet – gebaut über den Gräbern der Häftlinge. Gleichzeitig nutzte die DDR die Lagerstollen ab den 1970er-Jahren als militärisches Depot.

Die DDRs Bilanz im Umgang mit jüdischer Erinnerung war ambivalent. Zwar erschienen 1969 Romane von Peter Edel und Jurek Becker, doch staatliche Medien tilgten nach dem Sechstagekrieg 1967 Figuren wie die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati. Graf argumentiert, das Regime ignorierte sowohl rechten als auch linken Autoritarismus und untergrub so seine antifaschistischen Versprechen.

Grafs Forschung zeigt, wie Halberstadts jüdische Vergangenheit unter staatlichen Narrativen begraben wurde. Die DDR instrumentalisierte Gedenkstätten und Politik oft für politische Zwecke statt für historische Wahrheit. Das Buch widerlegt die Vorstellung, die DDR habe sich umfassend mit den NS-Verbrechen auseinandergesetzt.

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