Guido Cantz’ Trump-Witz wird zur ungewollten Realität – und ist plötzlich nicht mehr lustig
Emma BeckerGuido Cantz: Trump lässt Satiriker alt aussehen - Guido Cantz’ Trump-Witz wird zur ungewollten Realität – und ist plötzlich nicht mehr lustig
Ein Witz des deutschen Komikers Guido Cantz über Donald Trump und den Friedensnobelpreis ist auf unerwartete Weise Wirklichkeit geworden. Vor Jahren scherzte Cantz, Trump könnte sich den Preis notfalls mit Gewalt nehmen – eine Vorstellung, die heute unangenehm nah an der Realität scheint. Der ehemalige US-Präsident schrieb kürzlich an Norwegens Ministerpräsidenten und fragte, warum er den Preis nie erhalten habe.
2018 machte Cantz in einem Auftritt die Bemerkung, Trump werde sich den Friedensnobelpreis "mit Gewalt nehmen", falls er ihn nicht gewinne. Damals klang der Witz absurd. Doch Anfang 2026 wurde bekannt, dass Trump tatsächlich einen Brief an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre geschickt hatte, in dem er nachfragte, warum er nie ausgezeichnet worden sei. Trump behauptete, acht Kriege beendet zu haben – doch eine offizielle Nominierung für ihn im Jahr 2022 wurde nie bestätigt.
Mittlerweile erzählt Cantz den Witz nicht mehr und nennt ihn angesichts der jüngsten Entwicklungen "nicht mehr lustig". Er gab zudem zu, dass es anstrengend sei, über Trump Witze zu machen. Dessen ständige öffentliche Äußerungen und wechselnde Positionen ließen das Material innerhalb von Tagen veralten. Selbst gut getimte Pointen, so Cantz, verlören schnell ihre Schärfe.
Unterdessen hatte der US-Senator Marco Rubio Anfang 2026 eine andere Nominierung für den Friedensnobelpreis 2025 unterstützt: die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado. Dies unterstrich einmal mehr die Kluft zwischen Trumps Selbstwahrnehmung und dem tatsächlichen Auswahlverfahren.
Trumps Brief an Norwegen verleiht Cantz’ altem Witz nun eine unfreiwillige Brisanz. Der Komiker meidet das Thema inzwischen, während Beobachter die Ironie bemerken, dass eine satirische Pointe plötzlich der Realität entspricht. Bisher hat das Nobelkomitee auf Trumps Anfrage nicht öffentlich reagiert.