Fokins Revisor im Thalia-Theater Berlin: Satire zwischen Zarenloge und Social-Media-Betrug

Mila Voigt
Mila Voigt
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Ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" mit Text und einem Logo auf der sichtbaren Seite.Mila Voigt

Fokins Revisor im Thalia-Theater Berlin: Satire zwischen Zarenloge und Social-Media-Betrug

Das Thalia-Theater Berlin präsentiert eine kühne Neuinszenierung von Der Revisor

Unter der Regie von Waleri Fokin hat das Thalia-Theater Berlin eine gewagte Neuinterpretation von Der Revisor auf die Bühne gebracht – genau ein Jahrhundert, nachdem Wsewolod Meyerhold Gogols Satire erstmals an diesem Ort inszenierte. Die Premiere am 28. Februar zog prominente Gäste an, darunter Michail Piotrowski, Generaldirektor der Eremitage, der während der Kaiserhymne stand.

Die Wiederbelebung des Stücks im Jahr 2026 zeigt Chlestakow als modernen Scharlatan und verbindet historischen Glanz mit zeitgenössischen Themen. Fokins Ansatz vereint Theater, Musik und bildende Kunst zu einem vielschichtigen Spektakel, das die traditionsreiche Vergangenheit des Werkes ehrt und gleichzeitig Grenzen sprengt.

Das Thalia-Theater Berlin ist eng mit Der Revisor verbunden: Die Komödie feierte hier 1836 ihre Uraufführung, und Zar Nikolaus I. soll damals ausgerufen haben: "Was für ein Stück! Jeder hat sein Fett wegbekommen – aber ich am meisten!". Fokin inszenierte das Werk bereits 2002 am Theater, mit Oleg Basilaschwili als naivem, aber gerissenem Chlestakow. In den 2010er-Jahren wurde die Figur düsterer, korruptionskritische Töne dominierten. Nun, 2026, übernimmt Tichon Schisnewski – bekannt aus Major Grom – die Rolle und spielt Chlestakow als einen betrügerischen Social-Media-Typen, der die Eitelkeit der Bürokratie ausnutzt.

Die Inszenierung greift imperiale Symbolik auf, darunter die Zarenloge, die Fokin bereits in Eins Acht Eins (2022) einsetzte. Die Hymne "Gott bewahre den Zaren!" wird live von einem Vokaltrio dargeboten – gerichtet an die leere Loge als Verweis auf die Vergangenheit. Sergei Parschins Bürgermeister verbindet groteske Körpersprache mit derber, erdiger Rede und verstärkt so die Schärfe der Satire.

Ungewöhnlich endet die Vorstellung: Ein stummer, anderthalbminütiger Tableau vivante, gefolgt von "Fortsetzung", bei dem Schauspieler und Kritiker die Inszenierung auf der Bühne diskutieren. Dieser Bruch mit der Tradition unterstreicht Fokins Vision – eine Verschmelzung klassischer Dramaturgie, eindrucksvoller Bilder und Musik, die ein 190 Jahre altes Meisterwerk neu definiert.

Fokins Der Revisor verbindet historische Ehrfurcht mit moderner Kühnheit. Die Kaiserhymne, die Zarenloge und ein neu interpretierter Chlestakow schaffen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Das interaktive Finale festigt den Platz dieser Produktion als Meilenstein in der langen Beziehung des Thalia-Theaters Berlin zu Gogols Werk.

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