02 April 2026, 14:15

EMAF-Festival hält an umstrittener Filmemacherin trotz Antisemitismus-Vorwürfen fest

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau mit Menschen und Bäumen und Text.

EMAF-Festival hält an umstrittener Filmemacherin trotz Antisemitismus-Vorwürfen fest

Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme der palästinensischen Filmemacherin Rula Al-Sharif in sein Programm für 2026 eine Kontroverse ausgelöst. Ihr Kurzfilm "Morning Circle" soll trotz Vorwürfe des Antisemitismus und der Unterstützung der BDS-Bewegung gezeigt werden. Die Entscheidung des Festivals stößt bei Politiker:innen, Aktivist:innen und Kulturschaffenden gleichermaßen auf Kritik wie auf Zustimmung.

Die Debatte entbrannte, nachdem prIsraelische Gruppen und Politiker wie der CDU-Abgeordnete Dirk Fuhlrodt Al-Sharifs Einladung scharf verurteilten. Sie verwiesen auf frühere Social-Media-Beiträge der Filmemacherin sowie angebliche Verbindungen zur BDS-Bewegung, die zu Boykotten gegen Israel aufruft. Medien wie die "Welt" und die "Osnabrücker Zeitung" griffen die Kritik auf, während auch internationale Organisationen wie das Simon-Wiesenthal-Center gegen ihre Teilnahme protestierten.

Die künstlerische Leiterin des Festivals bezeichnete Al-Sharifs Posts – darunter ein Halloween-Foto – als mehrdeutig und interpretationsfähig. Der Vorstand des EMAF hingegen steht fest hinter ihrer Arbeit und betont, dass alle rechtlichen Vorgaben erfüllt seien. Das diesjährige Festivalmotto "An Incomplete Assembly" (Eine unvollständige Versammlung) thematisiert künstlerische Freiheit und Verantwortung – und fügt der Diskussion damit eine weitere Ebene hinzu.

Die politischen Reaktionen fallen gespalten aus. Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann räumte ein, er hätte es vorgezogen, Al-Sharif auszuladen, um "keine Plattform für Antisemitismus" zu bieten. Auch die Stadt Osnabrück und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) distanzierten sich vom Festival. Demgegenüber warnte Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, davor, palästinensische Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen zu bringen.

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Das EMAF-Programm umfasst zwar Kooperationen mit palästinensischen Künstler:innen, präsentiert aber auch jüdische und israelische Perspektiven. Bisher hat das Festival Al-Sharifs Einladung trotz anhaltender Kritik nicht zurückgezogen.

Die Kontroverse zeigt die Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und politischen Sensibilitäten auf. Al-Sharifs Film bleibt Teil des Festivals, die Veranstalter:innen pochen auf ihr Bekenntnis zur Meinungsfreiheit. Die Debatte jedoch hat bereits die öffentliche Diskussion über Kulturveranstaltungen und ihre Rolle bei der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich polarisierenden Themen geprägt.

Quelle