23 January 2026, 14:29

Eiseskälte in Norddeutschland: Warum Obdachlose wie Kevin lieber frieren als Schutz zu suchen

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto von Menschen, die eine verschneite Straße in Lechtenberger, Deutschland, entlanggehen, gesäumt von Bäumen und Häusern, mit Text unten.

Trotz eisiger Kälte und lebensbedrohlichen Bedingungen: Kevin übernachtet im Freien - Eiseskälte in Norddeutschland: Warum Obdachlose wie Kevin lieber frieren als Schutz zu suchen

Eiseskälte in Norddeutschland: Obdachlose in Lebensgefahr durch Temperaturrückgang

In Norddeutschland sind die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt gesunken – für Obdachlose eine lebensbedrohliche Situation. In Hannover hat der 37-jährige Kevin erneut eine Nacht im eisigen Freien verbracht. Trotz der Gefahren weigert er sich, Notunterkünfte aufzusuchen, aus Angst vor Gewalt und Diebstahl.

Seit 15 Jahren lebt Kevin auf den Straßen Hannovers. Anders als viele andere ist er auf die frostigen Nächte vorbereitet: Mit mehreren Jacken, Decken, Schlafsäcken und Isomatten schützt er sich vor der Kälte. Doch nicht alle Obdachlose sind so gut ausgerüstet – manche haben nur eine dünne Decke, um sich bei Temperaturen bis minus vier Grad Celsius zu wärmen.

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor anhaltendem Frost in der Region. Als Reaktion darauf haben Stadt und Wohlfahrtsverbände die Winter-Nothilfe ausgeweitet: Kommunale Unterkünfte bleiben nun rund um die Uhr geöffnet. Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi appelliert an die Bevölkerung, Obdachlose nicht zu ignorieren, sondern auf sie zuzugehen, wenn sie in Not erscheinen.

Kevin meidet Unterkünfte und überfüllte Plätze, an denen sich andere Obdachlose versammeln. Lieber setzt er sich der Kälte aus, als sich den Gefahren ausgesetzt zu fühlen, die er in Innenräumen vermutet. Dennoch hofft er auf mehr Aufmerksamkeit und Spenden – doch immer weniger Menschen tragen Bargeld bei sich.

Die Kältewelle zwingt die Behörden, ihre Hilfsangebote auszubauen. Doch viele wie Kevin bleiben trotzdem draußen. Bei weiter sinkenden Temperaturen zeigt sich einmal mehr, wie prekär die Lage von Menschen ohne festen Wohnsitz ist. Der Appell des Ministers zielt darauf ab, dass weniger Menschen im Stillen leiden müssen.