13 March 2026, 22:18

Drei linke Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandelspreis ausgeschlossen – ohne klare Begründung

Ein offenes Buch mit dem Titel "Eine Ansprache vor einer Versammlung der Mitglieder und Freunde der Pennsylvania Anti-Slavery Society während der jährlichen Messe" auf dem Cover, das eine Seite mit schwarzem Text zeigt.

Drei linke Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandelspreis ausgeschlossen – ohne klare Begründung

Drei linksgerichtete Buchhandlungen wurden von der Shortlist für den renommierten Deutschen Buchhandelspreis gestrichen. Kulturminister Wolfram Weimer begründete den Schritt mit vagen Hinweisen auf "verfassungsschutzrelevante Bedenken". Die Entscheidung löste umgehend scharfe Kritik von Gewerkschaften und Branchenvertretern aus.

Betroffen sind unter anderem die Buchhandlung Rote Straße in Göttingen und The Golden Shop, die beide mit dem Regionalverband der Gewerkschaft ver.di verbunden sind. Eine unabhängige Jury hatte die Läden ursprünglich für die Auszeichnung nominiert, die herausragende Buchhändler ehrt. Weimer setzte sich über diese Auswahl hinweg und behauptete, die Geschäfte stellten ein Risiko dar, da sie angeblich Kontakte zu "Staatsfeinden" unterhielten – ohne jedoch konkrete Beweise vorzulegen.

Andrea Wemheuer, Vorsitzende des ver.di-Regionalverbands, verurteilte die Entscheidung als "katastrophal". Sie warnte vor einer Gefahr für die kulturelle Freiheit und betonte die wichtige Rolle von Buchhandlungen als Orte des offenen Diskurses. Die Verlags- und Buchbranche zeigte sich schnell solidarisch mit den betroffenen Läden und kritisierte die mangelnde Transparenz des Verfahrens.

Bisher hat Weimers Ministerium nicht näher erläutert, was genau zur Streichung führte. Die vage Bezugnahme auf "Erkenntnisse des Verfassungsschutzes" wirft Fragen nach der Fairness des Auswahlprozesses auf.

Der Streit wirft nun grundsätzliche Fragen nach politischer Einflussnahme auf Kulturpreise auf. Zwar bleiben die ausgeschlossenen Buchhandlungen für künftige Auszeichnungen qualifiziert, doch das Vertrauen zwischen Ministerium und Branche hat bereits gelitten. ver.di und weitere Unterstützer fordern weiterhin eine vollständige Aufklärung der Entscheidung.

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