Dieter Nuhrs Femizid-Witz löst Empörung aus – ist das noch Satire oder gefährliche Verharmlosung?
Mila VoigtDieter Nuhrs Femizid-Witz löst Empörung aus – ist das noch Satire oder gefährliche Verharmlosung?
Der Komiker Dieter Nuhr hat mit einem Witz in seiner jüngsten ARD-Sendung für Aufsehen gesorgt. In dem umstrittenen Spruch legt er Frauen nahe, selbst schuld an ihrem Tod zu sein, wenn sie ihre Partner nicht gründlich genug prüfen. Kritiker werfen ihm vor, der Witz sei nicht nur sachlich falsch, sondern auch geschmacklos.
In der Ausstrahlung behauptete Nuhr zunächst, Parkplätze seien „strukturell zu klein“ für Frauen. Anschließend scherzte er, Frauen sollten ihre Partner besser kennenlernen, bevor sie mit ihnen schlafen, um nicht ermordet zu werden. Mit dieser Aussage schiebt er die Verantwortung den Opfern zu – dabei werden die meisten Femizide von aktuellen oder ehemaligen Partnern verübt.
Nuhr relativierte Femizide zudem als systemisches Problem und behauptete, die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau von einem Mann getötet werde, liege „beinahe bei null“. Seine Comedy setzt Frauen häufig als Pointe ein, viele bezeichnen seinen Humor als plump und oberflächlich. Femizide sind jedoch in der Regel das Ergebnis langjähriger Gewalt, Kontrolle und tief verwurzelter Frauenfeindlichkeit.
Der Rundfunksender rbb erkannte die Kritik an, verteidigte die Sendung jedoch als künstlerischen und satirischen Ausdruck. Öffentlich-rechtliche Sender bieten Nuhrs Art von Humor weiterhin eine Bühne – trotz Gesetzen gegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und zum Schutz der Menschenwürde.
Der Witz und seine Rechtfertigung zeigen die Spannung zwischen Meinungsfreiheit und verantwortungsvollem Programm auf. Öffentlich-rechtliche Sender stehen in der Kritik, weil sie Inhalten Raum geben, die nach Ansicht vieler schädliche Klischees verstärken. Nach dem Shitstorm wurden bisher keine konkreten Konsequenzen bekannt gegeben.
