Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Konsequenzen
Emma BeckerDeutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert Konsequenzen
Deutschland verpasst EU-Frist für neue Lohntransparenzgesetze
Deutschland hat die von der EU gesetzte Frist für die Einführung neuer Regeln zur Lohntransparenz verpasst. Stand Montag, dem 8. Juni 2026, verstößt das Land weiterhin gegen EU-Rechtsvorschriften, die der Bekämpfung ungleicher Bezahlung dienen. Die Bestimmungen sollten Unternehmen verpflichten, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede offenzulegen und Arbeitnehmern klarere Gehaltsinformationen zur Verfügung zu stellen.
Der geschlechtsspezifische Lohnunterschied in der EU liegt derzeit bei 11,1 %, doch in Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 15,6 % weniger pro Stunde als Männer. Die neuen Regelungen, die bis jetzt hätten umgesetzt werden müssen, sehen vor, dass Unternehmen mit 100 oder mehr Beschäftigten regelmäßig Daten zu Lohnungleichheiten veröffentlichen. Zudem erhalten Mitarbeiter das Recht, durchschnittliche Gehaltsangaben für vergleichbare Positionen – aufgeschlüsselt nach Geschlecht – anzufordern.
Nach dem bestehenden Entgeltransparenzgesetz von 2017 können Arbeitnehmer in Deutschland zwar Gehaltsvergleiche innerhalb ihres Unternehmens anfordern. Doch nur wenige machen von diesem Recht Gebrauch, aus Angst vor negativen Konsequenzen. Die überarbeiteten EU-Vorgaben gehen weiter: Sie verbieten Arbeitgebern, nach früheren Gehältern zu fragen, und verpflichten sie, Startgehälter in Stellenausschreibungen anzugeben.
Die Bundesregierung plant nun, die Änderungen Anfang 2027 umzusetzen. Durch die Verzögerung setzt sich Deutschland möglichen Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission aus. Diese könnte rechtliche Schritte gegen Deutschland einleiten, weil das Land die Frist nicht eingehalten hat. Sobald die neuen Gesetze in Kraft treten, erhalten Arbeitnehmer mehr Möglichkeiten, Lohndiskriminierung anzufechten. Unternehmen müssen sich zudem auf strengere Berichtspflichten einstellen, um Lohnungleichheiten abzubauen.






