Chemieindustrie 2026: Tarifabschluss, Fusionen und drohende Arbeitsplatzverluste
Leni SchröderChemieindustrie 2026: Tarifabschluss, Fusionen und drohende Arbeitsplatzverluste
2026 steht die deutsche Chemieindustrie vor tiefgreifenden Veränderungen. Ein neuer Tarifabschluss wurde vereinbart, doch gleichzeitig zeichnen sich Produktionskürzungen und Stellenabbau ab. Währenddessen entsteht durch eine spektakuläre Fusion ein globaler Kunststoffriese, und die Übernahme von Covestro durch ADNOC steht kurz vor dem Abschluss.
Die IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC haben sich auf einen Tarifvertrag für die chemische Industrie geeinigt. Die Beschäftigten erhalten 2027 eine Lohnerhöhung von 2,1 Prozent, gefolgt von weiteren 2,4 Prozent ab Januar 2028. Die Einigung fällt in eine Zeit, in der das Ifo-Institut vor weiteren Produktionsrückgängen und Arbeitsplatzverlusten in der Branche für das kommende Jahr warnt.
Der Chemiekonzern Dow hat bereits Werksstilllegungen in Ostdeutschland angekündigt und begründet dies mit strukturellen Herausforderungen. Diese Schritte spiegeln die größeren Probleme der Branche wider, in der Unternehmen sich an den wirtschaftlichen Druck anpassen müssen.
Ein branchenweiter Umbruch bahnt sich mit der Gründung der Borouge Group International (BGI) an. ADNOC und OMV fusionieren Borealis, Borouge und Nova Chemicals zu dem viertgrößten Kunststoffhersteller der Welt. Die Zusammenlegung soll bis Ende März 2026 abgeschlossen sein, mit Roger Kearns als Vorstandsvorsitzendem und Stefan Doboczky als Vertriebsvorstand. Covestro, das bald zur BGI gehören wird, soll nach Finalisierung der ADNOC-Übernahme unter dem Dach der neuen Gruppe agieren.
Der Aktienkurs von Covestro liegt derzeit bei 59,54 Euro, knapp über der festgelegten Barabfindung von 59,46 Euro pro Aktie. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens ist seit Beginn der Übernahme durch ADNOC Ende 2025 von etwa 14,7 Milliarden Euro auf rund 12,4 Milliarden Euro Anfang 2026 gesunken. Nachdem ADNOC-nahe Gesellschaften mehr als 95 Prozent der Anteile sicherten, steht nun der Börsenrückzug durch ein Squeeze-out bevor.
Die deutsche Chemieindustrie steht vor einer Phase des Umbruchs. Die Lohnerhöhungen bringen den Beschäftigten zwar Entlastung, doch Werksstilllegungen und Stellenstreichungen bleiben wahrscheinlich. Die Gründung der BGI markiert eine bedeutende Verschiebung auf dem globalen Kunststoffmarkt, während die Übernahme von Covestro durch ADNOC kurz vor dem Abschluss steht.






