Bundeswehr verschickt Fragebögen an 18-Jährige – droht die Rückkehr der Wehrpflicht?
Mila VoigtMilitärberater bei der Einberufung: 'Eltern' machen sich Sorgen - Bundeswehr verschickt Fragebögen an 18-Jährige – droht die Rückkehr der Wehrpflicht?
Deutschland hat damit begonnen, Fragebögen an 18-Jährige zu verschicken, um ihre Eignung für den Wehrdienst zu prüfen. Der Schritt markiert einen Strategiewechsel bei der Rekrutierung, während die Sorgen um die Verteidigungsbereitschaft des Landes wachsen. Gleichzeitig machen sich Familien Gedanken über die Möglichkeit, dass ihre Angehörigen zur Bundeswehr einberufen werden könnten.
Die ersten Schreiben gingen am 15. Januar in Sachsen-Anhalt raus. Seitdem verzeichnet die Bundeswehr in diesem Jahr einen frühen Anstieg freiwilliger Bewerbungen für den Militärdienst.
Das neue System verlangt von allen 18-jährigen Männern – Frauen werden eingeladen – die Beantwortung eines Fragebogens zu ihrer Motivation für den Wehrdienst. Männer sind gesetzlich verpflichtet zu antworten, auch wenn es in Deutschland seit 2011 keine allgemeine Wehrpflicht mehr gibt. Nach geltendem Recht bleiben Männer zwischen 18 und 60 Jahren jedoch theoretisch einberufungsfähig.
Falls es der Bundeswehr nicht gelingt, auf diesem Weg genug Freiwillige zu gewinnen, könnte die Regierung eine "bedarfsorientierte Wehrpflicht" einführen. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer intensiv geführten öffentlichen Debatte über die nationale Sicherheit, insbesondere angesichts der jüngsten geopolitischen Spannungen. Seit dem Angriff auf den Iran haben sich Reservisten vermehrt an Beratungsstellen gewandt, um Klarheit über mögliche künftige Verpflichtungen zu erhalten.
Gleichzeitig ist die Zahl der anerkannten Kriegsdienstverweigerer stark angestiegen. 2025 wurden 2.830 Anträge genehmigt, und bis Ende Februar dieses Jahres waren es bereits 1.035. Seit 2020 hat sich die Zahl der Antragsteller deutlich erhöht – von 2.500 in jenem Jahr auf über 12.000 im Jahr 2025. Wer den Wehrdienst aus Gewissensgründen verweigert, muss stattdessen einen zivilen Ersatzdienst leisten, den sogenannten Zivildienst.
Die Unterstützung für die Wiedereinführung des Zivildienstes wächst, besonders im Gesundheitssektor. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat signalisiert, dass sie bereitsteht, Zivildienstleistende wieder zu beschäftigen, und verweist dabei auf den Personalmangel in den Krankenhäusern. Auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bietet Beratung für Menschen an, die unsicher sind, ob sie Wehrdienst leisten sollen – nicht nur für 18-Jährige, sondern auch für ältere Erwachsene.
Das Fragebogensystem soll die freiwillige Rekrutierung stärken, während die Wehrpflicht als letzte Option offenbleibt. Krankenhäuser und Kirchen haben sich bereits auf eine mögliche Rückkehr des alternativen Zivildienstes vorbereitet. Die Regierung beobachtet derweil sowohl die öffentliche Reaktion als auch die geopolitische Entwicklung, bevor sie weitere Entscheidungen trifft.






