Anna Netrebkos umstrittenes Comeback an der Berliner Staatsoper
Sopranistin Anna Netrebko kehrt an Berlins Staatsoper zurück
Die Sopranistin Anna Netrebko gab am Freitag ihr Comeback an der Berliner Staatsoper mit einer vielbeachteten Aufführung von Un ballo in maschera. Die Produktion markierte ihren ersten großen Auftritt in der deutschen Hauptstadt seit 2022, als Kulturinstitutionen die Zusammenarbeit mit ihr aufgrund ihrer angeblichen Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin beendeten. Während das Publikum sie mit Applaus begrüßte, verurteilten Demonstranten vor dem Haus ihre Haltung zum Ukraine-Krieg.
Der Abend begann mit Netrebko in der Rolle der Amelia in Verdis Oper, dirigiert von Enrique Mazzola. Ihre Darstellung löste begeisterten Beifall aus – ein Zeichen für eine gewandelte Stimmung seit den Kontroversen von 2022. Damals hatten Häuser wie die Deutsche Oper Berlin ihre Engagements gestrichen, nachdem sie sich nicht deutlich genug von Russlands Angriff auf die Ukraine distanziert hatte.
Vor dem Opernhaus versammelten sich etwa 50 Protestierende mit ukrainischen Fahnen. Rufe wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat" hallten durch die Nacht, während die Vorstellung im Inneren weiterlief. Die Kundgebung spiegelte anhaltende Kritik wider: Viele werfen Netrebko vor, ihre Distanzierung von Russland sei nur halbherzig.
Die Sängerin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, ist seit Kriegsbeginn nicht mehr in Russland aufgetreten. Ihr letzter öffentlicher Auftritt dort datiert aus dem Jahr 2021, als sie ihren 50. Geburtstag im Moskauer Kreml feierte. Doch ab der Spielzeit 2025/2026 buchen europäische Häuser wie die Bayerische Staatsoper und die Semperoper Dresden sie wieder – ein vorsichtiges Zeichen für ihre Rückkehr auf die großen Bühnen.
Trotz der anhaltenden Debatten verlief die Premiere am Freitag ohne Störungen. Die Staatsoper hat Netrebko nun fest in ihr Weihnachtsprogramm aufgenommen – für viele ein Symbol sowohl für ihr ungebrochenes Talent als auch für die fortbestehenden politischen Spannungen um ihre Person.
Netrebkos Berliner Auftritt unterstreicht eine schrittweise, aber uneinheitliche Rehabilitation in Europas Kulturszene. Während sie von Teilen des Publikums wieder willkommen geheißen wird, zeigen die Proteste, dass Fragen zu ihren Russland-Bezügen weiterhin ungeklärt sind. Die Oper wird wie geplant weiterlaufen – mit ihrer Beteiligung auf absehbare Zeit gesichert.






